Viele Menschen erleben nach belastenden Erfahrungen Veränderungen,
die sie zunächst nicht einordnen können.
Zum Beispiel:
– starke Anspannung
– plötzliche Erschöpfung
– Rückzug
– emotionale Überflutung
– das Gefühl, nicht mehr richtig „da“ zu sein
Solche Reaktionen können verunsichern.
In der traumasensiblen Perspektive gelten sie jedoch nicht als Fehlfunktion,
sondern als Reaktionen des Nervensystems auf Überforderung und Stress.
Der Körper versucht, mit einer Situation umzugehen, die zu viel war.
Trauma-Reaktionen sind Schutzreaktionen
Das Nervensystem besitzt verschiedene Strategien, um auf Bedrohung zu reagieren.
Diese Reaktionen laufen nicht bewusst ab.
Sie werden automatisch aktiviert, um den Organismus zu schützen.
Man kann sie als Überlebensreaktionen verstehen.
1. Übererregung
Eine häufige Trauma-Reaktion ist anhaltende Aktivierung.
Das Nervensystem bleibt in einem Alarmzustand.
Typische Anzeichen können sein:
– innere Unruhe
– Schlafprobleme
– erhöhte Wachsamkeit
– schnelle Reizbarkeit
– körperliche Anspannung
2. Erstarrung
Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind, kann das Nervensystem
in eine Erstarrungsreaktion wechseln.
Dabei kann es zu folgenden Erfahrungen kommen:
– starke Erschöpfung
– Energiemangel
– Gefühl von innerer Leere
– Schwierigkeiten aktiv zu werden
3. Emotionale Überflutung
Viele Menschen erleben intensive Gefühle, die schwer zu regulieren sind.
Zum Beispiel:
– Angst
– Traurigkeit
– Wut
– Hilflosigkeit
4. Dissoziation
Eine weitere mögliche Reaktion ist Dissoziation.
Dabei kann sich die Wahrnehmung verändern:
– Gefühl von Abstand zum eigenen Körper
– „wie neben sich stehen“
– Erinnerungslücken
– gedämpfte Emotionen
5. Rückzug
Nach belastenden Erfahrungen ziehen sich viele Menschen stärker zurück.
Das kann sich zeigen durch:
– weniger soziale Kontakte
– geringere Aktivität
– Bedürfnis nach Ruhe
– Vermeidung bestimmter Situationen
Diese Reaktionen zeigen, wie stark das Nervensystem auf Belastung reagieren kann.
Deshalb beginnt traumasensible Arbeit nicht mit Konfrontation,
sondern mit Stabilisierung und Regulation.
Warum solche Reaktionen oft lange bestehen bleiben, erkläre ich hier:
Wenn du deine eigenen Reaktionen besser verstehen möchtest und lernen willst, wie Stabilisierung funktionieren kann, kannst du hier am kostenlosen Webinar teilnehmen.
Wenn du traumabezogene Prozesse professionell begleiten möchtest, findest du hier weitere Informationen zur systemischen Traumafachberatung Ausbildung in Deutschland an der Trauma-Fachakademie.
Autor: Michael Nerschbach
Heilpraktiker für Psychotherapie
Leitung der Trauma-Fachakademie.
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